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Brexit: Welche Auswirkungen hat der Austritt aus der EU auf den E-Commerce?

Ende 2020 ist es so weit: Das Vereinigte Königreich verlässt den EU-Binnenmarkt und die europäische Zollunion. Ob der Austritt mit einem «Hard Brexit» oder doch noch mit einem Abkommen erfolgt, steht jetzt – im Herbst 2020 – noch nicht fest. Welche Auswirkungen hat der Brexit auf Dich als Cross-Border-E-Commerce-Händlerin oder -Händler? Wir sagens Dir!

Brexit Auswirkung auf den E-Commerce

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Vom Brexit ist nicht nur Grossbritannien betroffen: Auswirkungen auf E-Commerce-Händler in der Schweiz und der EU

Im Moment laufen die Verhandlungen für ein Abkommen noch. Wenn diese scheitern, bedeutet dies einen harten wirtschaftlichen Bruch mit Zöllen oder Handelshürden. Die britische Regierung hat deshalb die betroffenen Unternehmen bereits vorgewarnt, sie sollen sich auf den Austritt ohne Handelsabkommen einstellen. Der Countdown läuft ...

Der 1. Januar 2021 ist aber nicht nur für britische Unternehmen ein grosser Stichtag. Auch auf Schweizer und EU-Unternehmen kommen mit diesem Datum grosse Veränderungen zu. Und zwar unabhängig davon, ob ein Hard Brexit stattfindet oder nicht.

Der grenzüberschreitende E-Commerce wird die Auswirkungen spüren. Deshalb wird Onlinehändlern in der Schweiz und im EU-Raum dringend geraten, sich schon jetzt mit den möglichen Veränderungen auseinanderzusetzen und eine geeignete Lösung bereitzuhalten.

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Neue E-Commerce Bestimmungen verlangen elektronische Abwicklung

Der Brexit und die damit verbundenen Änderungen im britischen und internationalen Recht wirken sich auch auf die Postdienstleistungen aus. Wie werden die britische Post und andere Zustelldienstleister Cross-Border-Päckchen in Zukunft abfertigen?

Zusätzlich zu den steuerlichen Versandanforderungen bei E-Commerce-Sendungen nach Grossbritannien verschärfen sich auch die Sicherheitsanforderungen ab 2021. Eine der grössten bisherigen Änderungen im internationalen Handel!

  • Neu müssen Päckchen und Pakete elektronisch abgewickelt werden.
  • Neu müssen die Zolldaten im Voraus elektronisch übermittelt werden.

Dies betrifft übrigens nicht nur die postalischen Dienstleister wie Royal Mail, sondern es ist eine gesetzliche und behördliche Anforderung für alle Zustelldienstleister.

 

Die Brexit-Änderungen für den internationalen Onlinehandel im Überblick

Aber alles der Reihe nach: Wir haben Dir hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

 

  • Bei sogenannten Low-Value-Sendungen (also solchen mit einem geringen Warenwert, bisher unter £ 15.–) fällt die bisherige Mehrwertsteuer-Befreiung
  • Für Handelswaren im Wert von £ 0.– bis £ 135.– gilt ein neues Neu ist der Verkäufer oder die Verkaufsplattform für die Begleichung der Mehrwertsteuer verantwortlich. Die anfallende Mehrwertsteuer muss direkt an das HMRC (Her Majesty’s Revenue and Customs), also an die Regierungsbehörde resp. die britische Steuerbehörde bezahlt werden.
  • Die Wertgrenze von £ 39.– für Geschenke bleibt unverändert.
  • Der grüne Zollzettel oder Frachtbrief – das postalische CN22/23-Etikett – bleibt bestehen resp. kommt neu für die Versender aus der Europäischen Union mit Warenversänden in das Vereinigte Königreich zum Tragen.
  • Zusätzlich zu den physischen Zolldokumenten ist ein elektronischer Datensatz (die sogenannten ITMATT-Daten oder in der Schweiz EAD-Daten) inkl. aller zollrelevanten Informationen notwendig. Diese ITMATT/EAD-Daten (elektronische Zolldatenpflicht) müssen elektronisch erfasst und im Voraus übermittelt werden. Datensätze, die unvollständig oder fehlerhaft sind, können zu Laufzeitverzögerungen oder kostenpflichtigen Rücksendungen der betroffenen Pakete und Päckchen führen. 

Grossbritannien birgt grosses Wachstumspotenzial im E-Commerce

 Vielleicht stellst Du Dir jetzt die Frage: «Soll ich mir das überhaupt antun?» Die Antwort findest Du einerseits im bestehenden Versandvolumen nach Grossbritannien und andererseits darin, wie Deine strategischen Expansionspläne aussehen.

 Schauen wir uns doch einmal an, wie die Situation im Cross-Border-Bereich im Vereinigten Königreich aussieht – es handelt sich nämlich um einen super interessanten E-Commerce-Markt mit erheblichem Wachstumspotenzial!

Trotz Brexit und den damit zusammenhängenden Änderungen hat der Cross Border E-Commerce in Grossbritannien gemäss der International Post Corporation (IPC) auch im letzten Jahr eine Wachstumsrate von 13 % verzeichnet. Vielversprechend, oder?

cross border e commerce wachstum von GrossbritannienQuelle: IPC Growth between 2016 and 2019, Shopper Survey 2019

 

Steigende Zahlen im britischen Cross Border E-Commerce

Wenn wir das wachsende Volumen im Cross-Border-Bereich ins Verhältnis zum nationalen E-Commerce in Grossbritannien setzen, zeigt sich, dass der Cross Border E-Commerce im Vereinigten Königsreich von unter 1 % im Jahr 2011 auf 5 % im 2019 anstieg.

Mit anderen Worten: Briten und Britinnen kauften für 4,1 Billionen Euro E-Commerce-Produkte im Ausland!

Auch wenn Grossbritannien im Moment noch einen etwas kleineren Cross-Border-E-Commerce-Umsatz verzeichnet als zum Beispiel Frankreich oder Deutschland, weist das Land doch ein enormes Wachstumspotenzial auf.

e-commerce wachstum Grossbritanien vergleich mit Frankreich und Deutschland

EU umsatzzahlen des E-commerces karte

Die Mehrwertsteuer-Freigrenze fällt durch den Brexit weg

Schauen wir uns nun einmal genauer an, was der Brexit für den Warenverkehr nach Grossbritannien für Schweizer und EU-Onlinehändler bedeutet.

Erst einmal: Die sogenannte Mehrwertsteuer-Freigrenze für Kleinwaren (Low Value Consignement Relief) fällt weg. Somit wird jede E-Commerce-Sendung nach Grossbritannien ab dem ersten Pfund mehrwertsteuerpflichtig. Es gibt dabei nur noch zwei Unterschiede:

  • Warenwerte von £ 0.– bis 135.–
  • Warenwerte über £ 135.–

Hast Du gewusst: Diese Mehrwertsteuer-Freigrenze fällt auch bei Sendungen von der Schweiz nach Europa per 1. Juli 2021 weg. Hier fällt der Begriff IOSS und MOSS. Mehr zum Import one stop shop und die Mehrwertsteueränderungen findest Du in unserem Blog.

 

Neue Steuerregelung für Sendungen bis £ 135.–

Für Sendungen mit einem intrinsischen Warenwert bis £ 135.– (Warenwert ohne MwSt, Zölle, Transportkosten, Versicherung etc.) ist gemäss der steuerlichen Gesetzgebung in Grossbritannien ab 1. Januar 2021 immer der Verkäufer verantwortlich für die Bezahlung der Mehrwertsteuer.

Als Verkäufer gilt einerseits der Onlineshop selbst oder aber eine Verkaufsplattform. Wichtig: Für Sendungen bis £ 135.– besteht eine Zollfreigrenze. Ausser natürlich, es handelt sich dabei um Waren mit Verbrauchssteuern.

Das HMRC stellt für die neue steuerliche Regelung eine Lösung zur Verfügung. Diese sieht eine Registrierung des Onlinehändlers resp. der Verkaufsplattform im Vereinigten Königreich mit einer Steuernummer und einer britischen EORI-Nummer vor.

Das bedeutet, dass der Onlinehändler oder die Verkaufsplattform verpflichtet ist, eine monatliche oder quartalsweise Mehrwertsteuer-Abrechnung über HMRC einzureichen. Für britische Empfängerinnen und Empfänger der Sendung ist diese Lösung äusserst vorteilhaft: Die Päckchen werden am Zoll rasch abgewickelt und verursachen keine weiteren Kosten.

 

Was passiert, wenn sich ein Onlinehändler nach dem Austritt aus der EU nicht registriert?

Wenn der Händler aber diese Lösung nicht nutzt und sich nicht registriert, bedeutet das automatisch, dass die Zollagenten (Border Force) die Kontrolle der Sendung für das HMRC vornehmen. Sie halten die Sendung also erst einmal zurück, bis das HMRC mit dem Versender Kontakt aufgenommen hat. Fazit: Es kommt nicht nur zu Laufzeitverzögerungen, sondern gegebenenfalls auch zu kostenpflichtigen Rücksendungen.

Noch unklar ist, wie realistisch dieses Vorgehen bei einer grossen Flut von Sendungen nicht registrierter Onlinehändler ist. Vor allem, wenn man dabei an chinesische Plattformen denkt ... Ebenfalls ist noch unklar, ob eine Übergangsfrist gewährt wird und wie lange diese dauern könnte.

 

Das passiert nach dem Brexit mit Sendungen mit einem Warenwert über £ 135.–

Schauen wir uns nun die Situation an, die bei Bestellungen über einem Wert von £ 135.– gilt. Für diese fallen nebst der Mehrwertsteuer auch Zollabgaben an. Diese zoll- und steuerrechtlichen Abgaben müssen vom Besteller bei Empfang der Sendung entrichtet werden, sofern sie vom Absender nicht bereits übernommen wurden (DDU = Delivered Duty Upaid oder DAP = Delivered at place genannt). Ebenfalls fällt eine Handling-Gebühr an.

Für Sendungen, die via Royal Mail zugestellt werden, machen die Handling-Gebühren £ 8.– aus. Beim Paketzusteller Parcel Force belaufen sich diese Kosten auf £ 12.– bis £ 25.–! Das wird dem Kunden, der Kundin das Shoppingerlebnis ganz schön vermiesen. Der einzige Vorteil für den Versender dabei: Er muss keinerlei steuerliche Erklärungen im Zielland abliefern.

Für den Absender gibt es die Möglichkeit, DDP zu versenden (DDP = Delivered Duty Paid). Dabei werden die Abgaben dem Absender in Rechnung gestellt, das heisst, er übernimmt die Handling- und Verzollungskosten.

 

Wäge die Vor- und Nachteile der verschiedenen Steuer- und Handling-Gebühren für Deinen Onlineshop sorgfältig ab.

grossbirtannien onlineshop steuer und handling gebühren

Eine einfache Lösung für den E-Commerce muss her!

Wenn Du Deine britische Kundschaft nicht verärgern oder gar verlieren möchtest, musst Du Dich diesen neuen Gegebenheiten stellen. Es gibt verschiedene Lösungen – die für Dich passende ist auch dabei!

Verschickst Du hauptsächlich Pakete mit einem Warenwert unter £ 135.–? Dann ist die neue Lösung für Sendungen bis zu diesem Warenwert attraktiv. Denn sie erlaubt Dir, Deine britischen Kundinnen und Kunden wie gewohnt zuvorkommend zu beliefern.

 

Wie können sich Schweizer Onlinehändlerinnen und -händler konkret diese vereinfachte Verzollungs- und Mehrwertsteuer-Lösung nutzen?

Für Sendungen bis zu £ 135.– kann sich der Onlineshop selbst oder seine Selling-Plattform in Grossbritannien registrieren und eine britische EORI-Nummer beantragen. Danach können die Sendungen per normaler Post und mit entsprechenden elektronischen ITMATT/EAD- Daten zur Sendung, dem Empfänger verschickt werden.

Eine Zolldeklaration (CN22) auf dem Harmonized Label bleibt allerdings weiterhin notwendig. Die Sendungen werden von der Schweizerischen Post nach Grossbritannien transportiert, passieren dort den Zoll und dieser führt den Abgleich zwischen dem Absender und einer vorhandenen EORI-Nummer durch. Sendungen bis £ 135.– von Absendern mit einer britischen EORI-Nummer passieren den Zoll abgabefrei und werden direkt der Zustellung übergeben.

Der Versandhändler oder die Plattform rapportieren monatlich oder quartalsweise die entsprechenden Mehrwertsteuer-Abgaben an das HMRC und bezahen diese direkt. Der Empfänger, die Empfängerin erhält die Sendung ohne Laufzeitverzögerung oder zusätzlichen Gebühren. So steigerst Du das Einkaufserlebnis und die Zufriedenheit Deiner Kundinnen und Kunden!

 

Einschränkungen der vereinfachten Zoll- und Mehrwertsteuer-Lösung für den Onlinehandel

Diese Lösung gilt nur für Sendungen bis zu einem Maximalwert von £ 135.–. Aber Achtung: Sie gilt nicht für Pakete, die verbrauchssteuerpflichtige Produkte enthalten!

Solche Produkte sind beispielsweise Tabak, Zigaretten und Alkohol. Solche Sendungen werden unabhängig von ihrem Wert der Verbrauchssteuer unterzogen. Die Zollkontrollen stellen die entsprechende Rechnung dem Empfänger, der Empfängerin.

 

Nächste Schritte für Deinen E-Commerce Betrieb?

Schweizer Onlinehändler und -händlerinnen sollten sich sehr schnell mit den neuen Bestimmungen und den oben erwähnten Lösungen auseinandersetzen. Gerade das erfolgsversprechende Wachstumspotenzial in Grossbritannien zeigt, dass der britische E-Commerce-Markt wächst – das bietet Dir als Onlinehändler oder -händlerin interessante Möglichkeiten!

Um diese Chance und das Potenzial zu nutzen und auszuschöpfen, musst Du Dich auf den bevorstehenden Brexit vorbereiten. Wir unterstützen Dich dabei und helfen Dir mit weiteren Infos zum Registrierungsprozess, den ITMATT/EAD-Daten und natürlich mit weiteren wertvollen Tipps und Tricks. 

Lass uns in einem gemeinsamen Gespräch Deine optimale Versandlösung finden

 

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